Gunzelinritter - Schlaraffia Castellum Peinenese

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Unser Reych



Mit der Auszeichnung werden eigene Sassen und Freunde anderer Reyche geehrt, die dem Castellum Peinense ihre besondere Verbundenheit entgegengebracht  haben.

Neben einer Urkunde wird ein gesticktes Ehrenschild vergeben, das am Rittermantel zu tragen ist.


Zum Gunzelinritter wurden erhoben

weiland Ritter Anglo-viel - Cell-Erika
Ritter a-part - Castellum Peinense
Ritter Cardunculus - Hannovera

weiland Ritter Don Immo-nett - Cell-Erika

Ritter Gerstäcker - Brunsviga
Ritter Gö-rollt - Castellum Peinense

Ritter Hanseat - Hannovera
Ritter Human-itus  - Hannovera
Ritter Tor-nah-Du - Castellum Peinense

Er ist für unsere Stadt Peine eine der bedeutsamsten Persönlichkeiten des Mittelalters:

Gunzelin von Wolfenbüttel/Peine

Der folgende historische Abriss sei gewidmet der Auskunft für die Sassen des Reyches Castellum Peinense und für Freunde des Reyches; Pflichtlektüre und Ehrensache  sei es aber jenen Freunden, die gar mit dem Titul "Gunzelinritter" geehrt und ausgezeichnet wurden. Der Titul wird als gestickter Aufnäher vergeben. Er ist am Rittermantel zu tragen.

Rt. Extra3 - Castellum Peinense (241) im Christmond a. U. 148

Schlaraffen, hört! 

Das Wappen der Stadt Peine zeigt einen springenden Wolf über zwei Getreidegarben.
Es leitet sich vom Siegel des kaiserlichen Dienstmannes Gunzelin von Wolfenbüttel ab, der in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts auf der Burg Peine lebte.

Gunzelin gilt als der Gründer der Stadt Peine.
Das genaue Datum der Stadtgründung von Peine ist nicht mit wissenschaftlicher Genauigkeit festzulegen, d. h. sie kann durch keine Urkunde belegt werden. Zwei Urkunden aus  dem Staatsarchiv Hannover - leider im letzten Krieg durch Brand vernichtet - lassen die Annahme zu, dass Peine um das Jahr 1220 Stadtcharakter und Stadtgerechtsame gehabt haben muss. Das Jahr 1223 wird offiziell als Gründungsjahr begangen.

Trutz und Schutz

Gunzelin ist auf jeden Fall mit den Anfängen der Stadt Peine in Verbindung zu bringen, weil sich während seiner Zeit aus nur wenigen Siedlungsstellen im Schatten und in Deckung der bereits bestehenden Burg eine größere Ansiedlung mit eigenen  Schutzbefestigungen entwickelte.

Möglicherweise war dieses Gemeinwesen sogar planvoll angelegt, denn die geraden Straßenverläufe, wie sie der historische Kern Peines heute aufweist und der regelmäßige  Verlauf der - zwar längst vergangenen - aber gut bekannten Befestigungslinien sind für alte Städte sonst ungewöhnlich.

Wer Gunzelin war
Gunzelins genaue Geburts- und Sterbedaten sind nicht bekannt, d. h. nicht urkundlich belegt. Das ist für Lebensläufe im Mittelalter nicht ungewöhnlich. Er wurde als  Sohn Ekberts von Wolfenbüttel vermutlich um 1170 geboren. Jedenfalls soll er 1192 bereits befähigt gewesen sein, die Verteidigung der elterlichen Burg Wolfenbüttel zu leiten. Im Jahre 1254 testiert er zum letzten Male eine Urkunde und 1258 erwähnt  ihn einer seiner Söhne, ebenfalls in einer Urkunde, als verstorben.

Unfrei aber einflussreich
Gunzelins Familie gehörte zeitweilig zu den bedeutendsten im nördlichen Harzvorland, aber ihre Mitglieder waren als Personen unfrei.
Als Dienstleute, Ministeriale, konnten sie von ihren Herren verkauft oder getauscht, ihr Besitz entzogen und gelegentlich konnte sogar auf die Auswahl der Ehegatten Einfluss genommen werden.
Urkunden zum Kauf oder Tausch von Unfreien haben sich zahlreich erhalten. Es existiert auch ein Kontrakt, der Gunzelins Familie betrifft. Gunzelins ältester Sohn Ekbert wurde 1218 gegen zwei Frauen durch den Welfen Otto IV vom Hildesheimer Bischof  eingetauscht. 
Der Dienstmann konnte, je nach Stellung seines Dienstherrn, recht bedeutende Machtpositionen in Politik, Wirtschaft und Heerwesen bekleiden. Auch nahm er an der höfisch-ritterlichen  Gesellschaft teil. Gunzelin gehörte einem Ministerial-Geschlecht an, das sich im Dienste der Brunonen, des Kaisers Lothar und Heinrichs des Löwen, eine solche führende Stellung erworben hatte. 

Das Erbe
Nachdem sein Vater 1193 und sein Bruder Ekbert 1202 gestorben waren, verfügte Gunzelin über den gesamten Familienbesitz: die Burg Wolfenbüttel mit ihrem Zubehör als welfisches Lehen, die fruchtbare Mark Denkte zwischen Asse und Ösel, die  er vom Reichsstift Gandersheim zu Lehen innehatte und die Vogtei über das Kloster Heiningen mit seinem umfangreichen Grundbesitz. 
Dazu hatte Gunzelin Burg und Grafschaft Peine als hildesheimisches Lehen geerbt. 

Politik im Zeichen der Gegenkönige
Gunzelins Leben und Wirken war geprägt von der Zeit der "Gegenkönige". Nach dem Tode König Heinrichs VI. wurden im damaligen Deutschen Reich heftige Nachfolgekämpfe geführt. So wurden 1198 von verschiedenen Fürsten und Bischöfen an  unterschiedlichen Orten zwei Könige gewählt und jeweils von einem Teil des Adels anerkannt, keiner jedoch überall. 
Die Staufer und ihre Sympathisanten wählten im Mai 1198 den Herzog Philipp von Schwaben zum deutschen König.
Die an dieser Wahl nicht beteiligten Gegner der Staufer erhoben im Juni 1198 den 2. Sohn Heinrichs des Löwen, Otto, auf den Königsthron, als Otto IV.
Damit war der Streit um die Herrschaft im deutschen  Reich aufs Neue entflammt, und die Gegner standen sich in einem verderblichen Krieg gegenüber. Für Otto IV. war von Vorteil, dass ihn Papst Innocenz III. unterstützte.

Gunzelin, Reichstruchsess
Sogleich nach der Wahl hatte König Otto IV. seinen Ministerial Gunzelin zum Reichstruchsess ernannt.In dieser Eigenschaft oblag ihm die Verwaltung und der Schutz des welfischen Besitzes, soweit der Otto zugefallen war, sowie des gesamten Reichsgutes  in Norddeutschland.
Die staufische Partei unternahm häufig räuberische Streifzüge n das welfische Vorland und fügte auch mehrfach den Dörfern der Grafschaft Peine schwere Schäden zu. Der Truchseß Gunzelin war es, der versuchte, die Angreifer aufzuhalten  und vom Gegner eroberte Burgen wieder einzunehmen.
So belagerte Gunzelin im Mai 1206 die besetzte Burg Lichtenberg, doch konnte er die auf steiler Anhöhe gelegene Festung nicht bezwingen.

Einfluss am Königshofe
Im Juni 1208 wurde der Gegenkönig Philipp von Schwaben ermordet. Darauf erkannten im November 1208 alle deutschen Fürsten Otto IV als König an.
Damit war das Ende aller Kämpfe um die Königswürde verbunden, und Gunzelin konnte sein Amt als Reichstruchsess nun direkt am Königshofe ausüben, ohne durch kriegerische Handlungen beeinträchtigt zu sein.
In seiner Funktion nahm er im Gefolge des Königs an einer Huldigungsreise durch die deutschen Lande teil, dann waltete er im Mai 1229 auf einem glänzenden Hoftage zu Braunschweig seines Amtes als Truchsess im ursprünglichen Sinne. Von Braunschweig  begleitete er Otto IV. auf einem Römerzuge und wohnte der Kaiserkrönung bei. Die friedlichen Zeiten für Gunzelin währten allerdings nur wenige Jahre.

Verteidiger des welfischen Erblandes
Das gute Verhältnis zwischen Kaiser und Papst zerbrach, als Otto begann, in den vom Papst beanspruchten mittelitalienischen Landschaften die deutsche Herrschaft wieder herzustellen. Als der Papst den Bannfluch  über Otto aussprach, rief das dessen  Gegner auf den Plan. Sie wählten 1212 den jungen Staufer Friedlich II (Enkel Friedrich I. Barbarossa) zu König.
So zerbröckelte allmählich Ottos Macht, wenn auch Gunzelin die welfischen Erblande erfolgreich vor einem Angriff des Gegenkönigs bewahren konnte. Von den meisten seiner Anhänger verlassen, starb Otto im Mai 1218 auf der Harzburg, erst 36 Jahre  alt.

Statthalter von Tuscien
Gunzelin hatte bis zuletzt dem Kaiser treu gedient, weshalb der ihn auch zu seinem Testamentsvollstrecker bestimmt hatte.
Durch die Erfüllung dieses Auftrages musste Gunzelin mit Friedrich II, der inzwischen allseits anerkannt worden war, in Verhandlungen treten.
Unter dem Eindruck der Persönlichkeit und der Leistungen Gunzelins, berief Friedrich II. ihn zu sich an den Hof und nahm ihn in seine Dienste, wiederum als Reichstruchsess. Diese Aufgabe zwang ihn aber nun dazu, die königlichen Rechte gegen die  Ansprüche des Welfenhauses zu verteidigen.
Für Gunzelin folgte eine ereignisreiche Zeit, die ihn im Gefolge des Königs auch nach Italien führte. Dort wurde er sogar von Friedrich II. zum Statthalter von Tuscien ernannt.

Historische Wirrnisse
Auch wenn man alle historisch bekannten Wirrnisse, die auch in der folgenden Zeit Gunzelins in Deutschland herrschten, im Hintergrund lässt und sich auf sein Wirkten um und für den Peiner Besitz beschränkt, kommt man  nicht umhin einiges in den  größeren geschichtlichen Zusammenhang zu stellen.
In den Jahren 1227/1228 erhoben sich Gunzelin von Wolfenbüttel, die Grafen von Wohldenberg, die Grafen von Schladen und andere Edelleute und Adelige (Ministeriale) des welfischen Gebiets und des Umlandes gegen Otto von Braunschweig-Lüneburg. Sie  hatten sich schon 1218 gegen die ihnen zu mächtigen Welfen verbunden und kämpften für verstärkten eigenen Einfluss.Bis 1235 war das bis dahin gute Verhältnis zwischen Gunzelin und den Welfen getrübt.

In der gesamten Literatur wird angenommen, dass der Truchsess Gunzelin das Gebiet der alten Grafschaft Peine bereits kurz nach 1200 zu seinen Wolfenbütteler Besitzungen dazugewann. Ab 1230 scheint er sich wieder häufiger in Peine aufgehalten zu  haben. 1235 hat der Rechtstruchsess Gunzelin am Mainzer Reichstag teilgenommen. Er wurde im Sommer 1236 vom Kaiser in die Heimat entlassen.
Historiker nehmen an, dass Gunzelin seine Peiner Besitzungen 1235, als das Herzogtum Braunschweig gegründet wurde und auch der Bischof von Hildesheim seine hoheitlichen Rechte zugesprochen bekam, für seine treuen Dienste vom Kaiser übertragen  bekam, und zwar als Eigentum. Geschlossen wird das daraus, dass Gunzelins Erben später die Besitzungen verkaufen. Das konnte man nur mit Eigentum, nicht mit Lehen.

Gunzelin "von Peine"…
Sicher nachzuweisen ist, dass sich Gunzelin Ende der dreißiger Jahre in Peine eingerichtet hat. Er nennt sich nun erst "von Peine". Wenigstens 20 Jahre seines bewegten Lebens hat er hier verbracht, und da er kaum noch  Berührungspunkte mit der großen  Politik hatte, konnten seine beachtlichen Aktivitäten ungeschwächt dem Peiner Besitz zugute kommen.

… politisch aktiv bis ins hohe Alter
Dass seine Aktivität auch im hohen Alter nicht nachließ, ergibt sich aus dem folgenden belegbaren Tatbestand:
Am 30 Mai 1248 veranlasste Papst Innocenz IV., eine Klage des Kreuzstifts Hildesheim zu untersuchen, der sinngemäß folgende Anschuldigung zu Grund lag: Der Ritter Gunzelin soll sich mit einigen Männern der Hildesheimer Diözese einige Häuser  und Sachen in Woltorp (Woltorf) und Cochinge (Köchingen) gegen das Recht angegeignet haben. Leider fehlen weitere Nachrichten zu dieser Angelegenheit.

Gunzelin, loyal… 
Kaiser Friedrich II. weilte während seiner Zeit mehr in Italien als in Deutschland. Das hatte zur Folge, dass wegen der langen kaiserlichen Abwesenheit wieder Gegenkönige ins Spiel kamen. Gunzelin war weiterhin auf des Kaisers Seite; durch seinen  Einfluss verhielten sich die Welfen zunächst abwartend.
Graf Wilhelm von Holland war ein solcher Gegenkönig, der 1252 eine Tochter Herzogs Otto von Braunschweig-Lüneburg heiratete. Die politische  Entscheidung der Welfen für den Gegenkönig war damit deutlich.
Obwohl der Kaiser Friedrich II bereits gestorben war und auch dessen Sohn Konrad IV 1254 starb, verweigerte Gunzelin von Peine Wilhelm von Holland die Huldigung. Herzog Otto  verhinderte zu seinen Lebzeiten Zwangsmaßnahmen gegen Gunzelin. Otto starb im Juni 1252. Seinem Sohn, Herzog Albrecht von Braunschweig-Lüneburg gelang es ebenfalls nicht, Gunzelin zur Huldigung zu bringen.

… bis in den Tod
König Wilhelm berief deshalb 1253 ein Fürstengericht ein. Es wurde bestimmt, dass alle Reichslehen, die Gunzelin besaß, nach dessen Tod an Herzog Albrecht fallen sollten. In einer Urkunde, sie ist ohne Jahresangabe, wurden diese Besitzungen dem  Herzog bereits zugesprochen. 
Sie seien, so hieß es, Gunzelin entzogen worden, weil dieser sich aus besonderem Hochmut und hartnäckiger Bosheit weigere, den Huldigungseid zu leisten. Wie mehrheitlich in der Literatur angenommen wird, starb Gunzelin am 2. Februar 1255, etwa 80  Jahre alt.
Vor der Vollstreckung des Urteils vererbte er Burg und Grafschaft Peine an das Hochstift Hildesheim, wohl um sie seinen Söhnen als Lehen zu erhalten. Möglicherweise wurde Gunzelin in der Klosterkirche Riddagshausen bestattet. Ansonsten gilt aber  das Kloster Heiningen als Begräbnisstätte dieser Familie.

Die Nachkommen 
Bis 1310 war Peine und die Grafschaft noch des öfteren von Fehden der Braunschweiger Herzöge und des Hildesheimer Bischofs betroffen, weil auch die Söhne Gunzelins das Urteil von König Wilhelm nicht anerkannten.

Epilog 
Den kaiserlichen Hof-Truchsess Gunzelin von Wolfenbüttel/Peine hob seine Persönlichkeit aus dem Kreise der Ministerialen heraus. Seine oft erprobte Tapferkeit, sein fester und entschlossener Wille, sein kluger Geist und die Beharrlichkeit in der Verfolgung seiner weitgesteckten Ziele, verbunden mit einem starken Unabhängigkeitssinn, sicherten Gunzelin einen glänzenden Aufstieg im Dienste der Kaiser Otto IV. und Friedrich II. So urteilten Historiker verschiedener hier benutzter Quellen. 

Quellenangaben:
Rolf Sonnenberg: Das Leben des Reichsministralen Gunzelin von Peyna
Müller/Zechel: Die Geschichte der Stadt Peine
Helga Brand: Die Geschichte von  Stadt (und Amt) Peine


Stand 16.10.2017
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